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In Kooperation mit:
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Veranstaltungsort:
Atrium der Deutschen Bank, Unter den Linden 13/15, Eingang Charlottenstraße, 10117 Berlin
Freitag, 26. November 2010
Vom Numinosen zur Faktizität – Die Wissenschaft und ihr Untersuchungsgegenstand Meditation und Bewusstsein
Warum Meditation und ihre Wirkungen für die Wissenschaft interessant sind und wie sich verschiedene Disziplinen dem Untersuchungsgegenstand nähern
Prof. Dr. Dieter Vaitl, Director Bender Institute of Neuroimaging, Universität Gießen
Das beharrliche Praktizieren meditativer Übungen bleibt nicht ohne Einfluss auf Körper und Geist. Mit modernen wissenschaftlichen Methoden können diese Effekte nachgewiesen werden. Veränderungen finden sich in den vegetativen Reaktionen (z.B. Blutdruck, Pulsschlag, Atmung), in den Hirnfunktionen (z.B. in der elektrischen Aktivität und den Durchblutungsverhältnissen des Gehirns) und in den immunologischen Reaktionen. Psychologische Untersuchungen von Meditierenden lieferten darüber hinaus zuverlässige Hinweise darauf, dass Meditieren zu Veränderungen in verschiedenen psychischen Funktionen wie z.B. der Aufmerksamkeit, dem Welterleben und dem Einfühlen in andere Menschen (Empathie) führt. Anhaltende Veränderungen finden auch im anatomischen Aufbau der Gehirne von Meditierenden ihren Niederschlag. Meditative Praktiken sind in der Lage, veränderte Bewusstseinzustände hervorzurufen. Sie erlauben, die Grenzen zwischen Alltagserfahrungen und neuen, außergewöhnlichen Erlebnisformen zu überschreiten. Die klare Verankerung meditativer Praktiken in der neurobiologischen Ausstattung des Menschen eröffnet neue Wege der Selbsterfahrung und der Bewusstseinserweiterung, wobei sie sich der hohen Plastizität des menschlichen Gehirns bedienen und seine schlummernden Potenziale ausschöpfen. So liegt es nahe, meditative Praktiken auch in verschiedenen medizinisch-therapeutischen und psychoedukativen Anwendungsbereichen einzusetzen. Auch hier liefert die moderne Forschung zahlreiche Belege für hilfreiche Effekte dieser Verfahren. Meditationsforschung zählt daher heute zu einer wichtigen Disziplin im Bereich der Bewusstseinsforschung.
Meditation ändert Hirnstrukturen
Was durch Meditation trainiert wird und was im Hirn dabei geschieht
Dr. Ulrich Ott, Bender Institute of Neuroimaging, Universität Gießen
Dr. Britta Hölzel, Massachusetts General Hospital and Harvard Medical School, Boston, MA, USA
Meditierende trainieren unterschiedliche Dinge, z.B. die vegetative Erregung abzusenken, die Aufmerksamkeit auf ein Objekt gerichtet zu halten, Gleichmut oder Mitgefühl zu kultivieren oder zu einer offeneren Wahrnehmung der Gegenwart zu gelangen. Aufgrund der Plastizität des Nervensystems führt wiederholtes Üben nach einiger Zeit zu messbaren strukturellen Veränderungen im Gehirn. Alle Vergleiche zwischen Meditierenden und Kontrollpersonen ergaben eine erhöhte Graue Substanz bei den Meditierenden, und zwar in jenen Regionen, die für die trainierten Funktionen relevant sind. Der Vortrag gibt einen Überblick über die vorliegenden Befunde und erste Längsschnittstudien, die einen kausalen Zusammenhang zwischen Meditation und Veränderungen im Erleben, Verhalten und Gehirn aufzeigen. Veränderungen durch Meditation, wie beispielweise reduziertes Stresserleben oder erhöhte Schmerztoleranz, lassen sich auf diese Weise objektivieren. Durch den direkten Vergleich unterschiedlicher Meditationstechniken und die Integration mit Messungen der Hirnaktivität eröffnet diese Forschung einen faszinierenden Einblick in die menschlichen Fähigkeiten zur Selbstregulation/-modifikation und die zugrundeliegenden neuronalen Mechanismen.
Neurobiologische Aspekte der Meditationspraxis
Wie Meditation über zelluläre Mechanismen auf Gesundheit, Motivation und Stressresistenz wirkt
Prof. Dr. med. Tobias Esch, Studiengang der Integrativen Gesundheitsförderung, Hochschule Coburg, Neuroscience Research Institute, State University of New York
Meditation dient der inneren Einkehr und Entspannung. So ist sie in der Lage, dem Stress des Lebens auf natürliche Weise etwas entgegenzusetzen: sie vermag die „Entspannungsantwort“ zu aktivieren, den angeborenen Gegenspieler des Stresses auf geistiger, körperlicher und zellulärer Ebene. Dieser physiologische Prozess ist heute teilweise erforscht und einige der beteiligten zellulären Botenstoffe sind bekannt. Interessanterweise wurden sie in der Evolution recht konstant erhalten (konserviert), was für eine erfolgreiche Strategie spricht. Darüber hinaus vermittelt die Meditation dem Praktizierenden ein Gefühl von Verbundenheit (zum Selbst, zu Gott, zu Gemeinschaften), von Spiritualität und Glauben. Auch deswegen finden wir die dazu gehörenden Rituale praktisch in allen Kulturen der Welt, allzu oft in Verbindung mit religiösen Praktiken. Beide genannten Aspekte der Meditationspraxis verbessern die Gesundheit und scheinen über hirneigene Motivations- und Belohnungsmechanismen zu „wirken“. Ähnlich dem Plazeboeffekt werden in den „Meditationszentren“ im Gehirn vermutlich Belohnungs-/Glückshormone, darunter Neurotransmitter wie Dopamin oder körpereigene Opiate, ausgeschüttet oder auch Signalpfade zur Bestätigung von „Bindungserfahrungen“ aktiviert. So kann man der Meditation heute auf neurobiologischer Ebene zuschreiben, dass sie einerseits ein autoregulatives Selbstheilungspotenzial besitzt und andererseits ein Beziehungs- oder Gruppenritual darstellt, das spirituelle und Glaubenserfahrungen vermittelt und bestärkt. Und das motiviert, vermindert Stress und ist gesund. Dabei ist die Meditation vom Wesen her, trotz aktivierender Anteile, ein Prozess der physiologischen „Herunterregulierung“, was sich letztlich auf die ursprüngliche biologische Funktion und die beteiligten Moleküle zurückführen lässt. Die hinter der Meditation stehenden Prozesse sind „tief“, umfassend und haben zelluläre Entsprechungen, d.h. sie sind grundsätzlich messbar, wenngleich die individuelle Erfahrung des Praktizierenden sich diesem Zugang entziehen mag. Zur Veranschaulichung sprechen wir mitunter vom „bio-psycho-sozio-spirito-molekularen Ansatz“: jenseits der spezifischen Meditationspraxis und Kultur, aus der eine jeweilige Technik stammt, gibt es eine gemeinsame Wurzel – sie entstammt unserem gemeinsamen Mensch-Sein.
Empathie und Mitgefühl – Einsichten aus den Sozialen Neurowissenschaften
Wie man Einfühlung trainieren und mit bildgebenden Verfahren messen kann
Prof. Dr. Tania Singer, Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, Leipzig
Die Sozialen Neurowissenschaften haben wesentlich dazu beigetragen, dass sich die Forschung zunehmend mit den Hintergründen von sozialen Emotionen wie Empathie und Mitgefühl beschäftigt. Im Anschluss an eine genauere Definition dieses Untersuchungsfeldes werde ich verschiedene fMRI-Studien vorstellen, die Aufschluss darüber geben, welche empathischen Gehirnreaktionen sich einstellen, wenn wir beispielsweise Menschen beobachten, die Schmerzen ausgesetzt sind. Diese empathischen Reaktionen werden von verschiedenen individuellen und kontextuellen Faktoren gesteuert. Abschließend werde ich erste Ergebnisse verschiedener Studien zum Training des Mitgefühls bei langjährigen buddhistischen Praktizierenden und Meditationsanfängern präsentieren.
Bewusstsein - Ich - Selbst: Wer oder was meditiert?
Zur Grundsatzklärung von spirituellen Erfahrungen
Prof. Dr. Michael von Brück, Ludwig-Maximilians-Universität München, Interfakultärer Studiengang Religionswissenschaft
Wer meditiert? In der Meditation treten Zustände der Bewusstheit auf, die ein subjektivitäts-zentriertes Ich nicht erkennen lassen. Ja, die Ich-Überwindung wird geradezu als Inbegriff tieferer Versenkungszustände in Meditation und Gebet verstanden. Dies keineswegs nur im Buddhismus, dessen zentrale Aussage die Theorie des Nicht-Ich (anatta) ist, wodurch sich die Schüler des Buddha von allen indisch-brahmanischen Traditionen signifikant unterscheiden; auch im Christentum spricht Paulus: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“ Wer aber spricht diesen Satz? Auch die Neurowissenschaften tendieren dazu, die Messdaten so zu interpretieren, dass die Hirnfunktionen nicht von einer Zentrale (Ich) gesteuert werden, sondern ein vernetztes System von Wechselwirkungen darstellen, die eine kaum benennbare Struktur repräsentieren. Was also ist das Subjekt des Denkens, Fühlens, mithin auch der tieferen meditativen Erfahrungen? Löst sich das Ich im Unendlichen auf? Was aber ist dann das Gewahrsein auch dieses Zustandes, der ja nicht ein Totalausfall des Bewusstseins ist, sondern eher das Gegenteil? Können diese Paradoxa überhaupt verstanden werden, und vor allem: Was bedeutet ein solches Verstehen für die Lebenspraxis?
Samstag, 27. November 2010
Gemeinsame Meditation
mit Willigis Jäger, West-Östliche Weisheit – Willigis Jäger Stiftung
Meditation und Achtsamkeit als Weg zum Wohlergehen
Zur positiven Wirkung geistiger Ausgeglichenheit
Dr. Peter Malinowski, School of Natural Sciences and Psychology, Liverpool John Moores University, Liverpool, UK

Meditationspraxis und die Entwicklung von Aufmerksamkeitsfähigkeiten sind in den letzten Jahren mehr und mehr in den Mittelpunkt wissenschaftlichen Interesses gerückt und erste Modelle, die westlich-psychologische Theorien mit den überlieferten Vorstellungen zu geistiger Ausgeglichenheit und Wohlergehen vereinen, wurden vorgestellt. Ein besonders erfolgversprechender Ansatz schlägt vor, dass sich geistige Ausgeglichenheit, die als Grundlage von wirklichem Wohlergehen verstanden wird, in vier Hauptkomponenten zeigt: Willenskraft, Aufmerksamkeit, Kognition und Emotion. Durch Meditation und Achtsamkeitsübungen können diese vier Geisteszustände in Balance gebracht und damit Defiziten sowie Unter- und Fehlfunktionen systematisch entgegengewirkt werden. Erste Ergebnisse aus der aktuellen Meditationsforschung unterstützen die generellen Annahmen dieses Modells, das einen Weg zum „Flourishing“, dem Aufblühen geistiger Qualitäten weist.
Meditation als Teil einer integralen Heilkunst
Evidenz von achtsamkeitsbasierten Verfahren in der Psychotherapie
Prof. Dr. med. Götz Mundle, Ärztlicher Geschäftsführer Oberbergkliniken und Chefarzt der Oberbergklinik Berlin/Brandenburg
In unserem immer komplexer werdenden Gesundheitssystem ist ein neues Grundverständnis von evidenzbasierter Psychotherapie und Heilung gefragt. Alleine eine exzellente Methodenkenntnis reicht für eine nachhaltige Gesundung nicht aus. Notwendig ist ein integrales Verständnis von Behandlung und Heilung, welches evidenzbasierte Psychotherapie mit Meditation als Form der Wert- und Sinnstiftung sowie Persönlichkeits- und Potentialentwicklung verbindet und hierdurch eine umfassende Ressourcenentfaltung ermöglicht. Moderne Psychotherapie bedarf nicht nur der medizinischen Behandlung der Erkrankung, sondern der bewussten Aktivierung aller Heilungspotentiale. Meditation als Teil einer integralen Heilkunst ermöglicht durch eine spezifische Form der Aufmerksamkeitsfokussierung, die gekennzeichnet ist durch ein nicht wertendes, unmittelbares und fortwährendes Gewahrsein geistiger und körperlicher Prozesse, eine innere Haltung eines bewussten und urteilsfreien Gewahrseins im gegenwärtigen Moment. Diese Fokussierung auf das Hier und Jetzt ermöglicht die Entfaltung gesundheitsförderlicher Heilungspotentiale in Patient und Therapeut. In diesem Grundverständnis ist integrale Heilkunst die Bewusstwerdung des Raumes, aus dem heraus therapeutische Veränderungen geschehen. Achtsamkeitsbasierte Psychotherapieverfahren wie Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR), Mindfulness Based Cognitive Therapy (MBCT), Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) oder Acceptance and Commitment Therapy (ACT) verbinden achtsamkeitsbasierte Meditation mit Elementen traditioneller Psychotherapie. Formelle meditative Übungen und informelle Achtsamkeitsübungen bei alltäglichen Aktivitäten wie Essen, Trinken oder Gehen dienen der Etablierung einer achtsamen Haltung als Lebensweise. Ihre Wirksamkeit wurde in zahlreichen Untersuchungen und Übersichtsarbeiten belegt. Achtsamkeitsbasierte Psychotherapieverfahren mit Elementen der Meditation führen zu positiven Effekten bei der Behandlung unterschiedlicher psychischer Störungen wie Depression, Abhängigkeit, Schmerz oder Persönlichkeitsstörungen.
Hilft es denn, „einfach mal nichts zu tun“?
Forschungsergebnisse zur Auswirkung von Achtsamkeitsmeditation auf chronische Schmerzen
Prof. Dr. Stefan Schmidt, Leiter der Akademischen Sektion Komplementärmedizinische Evaluationsforschung, Universitätsklinikum Freiburg
In drei klinischen Studien wurde am Universitätsklinikum Freiburg die Auswirkung von Achtsamkeitsbasierter Stressbewältigung (engl. Mindfulness-Based Stress Reduction, MBSR) auf chronische Schmerzen untersucht. MBSR ist ein achtwöchiges Gruppenprogramm, in dem verschiedene Elemente zur Schulung der Achtsamkeit gelehrt und geübt werden. Die Teilnehmer/innen erlernen u. a. Achtsamkeitsmeditation im Sitzen und Gehen, den so genannten Body-Scan sowie verschiedene Yoga-Übungen und üben diese Techniken täglich zu Hause. Die Anwendung des Konzeptes der Achtsamkeit auf chronische Schmerzen beruht auf der Idee, anstatt des oft praktizierten Vermeidungsverhaltens, dem eigenen Leiden mit einer von Offenheit und Akzeptanz geprägten Grundhaltung neu zu begegnen. Die Annerkennung der eigenen Erkrankung ist dabei oft der erste Schritt, bevor der Schmerz mit einer von Neugier und Offenheit geprägten Haltung vorsichtig erkundet werden kann. Ziel ist es, dass die Patienten/innen über die kontinuierliche Beobachtung erkennen, dass der Schmerz kein gleich bleibendes Phänomen ist, sondern sich wandelt und dass dieser Wandel auch vom eigenen Verhalten und der eigenen Reaktion auf Schmerzreize abhängt. Gelingt dies, so erwerben die Patienten/innen ein gewisses Maß an Kontrolle über ihr Leiden. Weiterhin übernehmen sie vermehrt Eigenverantwortung für ihr gesundheitliches Wohlergehen und lernen, dass sie etwas für sich selbst tun können. So führen oft dieselben Schmerzen durch die neu gewonnene Kompetenz zu geringerem Leiden. Dies zeigte sich auch in den drei Studien mit Patienten/innen, die an Fibromyalgie, chronischen Rückenschmerzen und Migräne erkrankt waren. Während der konkrete Schmerz oft nur einen geringen Rückgang aufwies, verbesserten sich die Patienten/innen stark auf Skalen zur Lebensqualität, Lebenszufriedenheit, Depressivität, Ängstlichkeit, körperlichen Beschwerden sowie sensorischen und affektiven Schmerzempfindungen.
Wie Achtsamkeit und Meditation unsere Arbeitskultur verändern können
Praxisbeispiele aus der universitären Lehre und Unternehmen zeigen uns neue Perspektiven
Prof. Dr. Harald Walach, Institut für Transkulturelle Gesundheitswissenschaften, Europa Universität Viadrina, Frankfurt (Oder)
Unsere Arbeitswelt, ob in der Berufswelt oder für Studenten an der Universität, ist geprägt von Informationsüberflutung, Leistungsdruck, sozialem Stress und Gefühlen der Überforderung. Wohl gibt es Programme – zum Informationsmanagement, zum Zeitmanagement oder zum Stressmanagement –, die versuchen, bei solchen Problemen zu helfen. Achtsamkeitstraining und Meditation scheinen hier allerdings an einer tieferen Ebene anzusetzen, nämlich an der Wurzel der Symptome, dort wo sie entstehen: an unserem Bewusstsein bzw. an dem, was wir dafür halten. Sie ermöglichen es uns, dass wir eine Meta-Perspektive aufbauen, von der aus wir uns und andere teilnehmend, aber ohne uns zu verurteilen beobachten können. Dies erweitert unseren Freiheitsspielraum und gibt uns die Möglichkeit, kreativ zu handeln. Meditation schärft den klaren Blick, der möglichst vorurteilsfrei wahrnimmt und erzeugt Mitgefühl, das uns hilft, uns in andere einzufühlen. Zwei empirische Forschungsbeispiele zeigen uns Möglichkeiten und Grenzen auf: Wir haben achtsamkeitsbasierte Stressbewältigung im Rahmen einer beruflichen Weiterbildung untersucht und in unserer Universität ein angepasstes Programm für Studenten entwickelt und erprobt. Die Erfahrungen und Daten aus diesen Untersuchungen werden die Erläuterungen speisen.
Spiritualität und intellektuelle Redlichkeit
Wahrhaftigkeit, wissenschaftliche Rationalität und das philosophische Projekt der Selbsterkenntnis
Prof. Dr. Thomas Metzinger, Philosophisches Seminar der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
Die Technik der Meditation stammt aus der Praxis jahrhundertealter spiritueller Traditionen. Sie ist auch heute noch ein klassisches Werkzeug der Bewusstseinsforschung – einer Forschung, die lange vor der neuzeitlichen Wissenschaft und dem Aufkommen der akademischen Philosophie existierte, die aber eng mit dem philosophischen Ideal der Selbsterkenntnis verknüpft ist. Das ethische Ideal der „intellektuellen Redlichkeit“ dagegen ist das Kernstück der wissenschaftlichen Methode: Intellektuelle Redlichkeit heißt, dass man nicht nach emotionaler Sicherheit und schönen Gefühlen sucht, sondern nach Erkenntnisfortschritt. Intellektuelle Redlichkeit ist eine Tugend, und zwar eine, die mit Wahrhaftigkeit zu tun hat und mit dem bedingungslosen Willen zur Wahrheit. Intellektuell redlich sind Leute, die nicht bereit sind, sich etwas in die Tasche zu lügen, Menschen, die sich ohne jedes Wenn und Aber zu den Grundprinzipien der rationalen Argumentation und der empirischen Datenerhebung bekennen, und alle, die verstanden haben, dass vernünftige Kritik die stärkste erkenntnistreibende Kraft ist. Was ist die Beziehung zwischen diesen beiden Grundeinstellungen bei der Erforschung des menschlichen Geistes? Können sie friedlich miteinander koexistieren? Die These meines Vortrags wird sein, dass intellektuelle Redlichkeit und eine aufgeklärte Spiritualität nicht nur gemeinsame Wurzeln haben, sondern dass sie in Wirklichkeit zwei Seiten derselben Münze sind.
Panel-Diskussion: Meditation und Bewusstseinskultur
Neue Perspektiven für die persönliche und gesellschaftliche Entwicklung
Moderation: Gert Scobel
● Welche Rolle Meditation in Gesellschaft und Wissenschaft spielt und spielen kann
● Neue gesellschaftliche Impulse: Meditation und Empathiefähigkeit
● Meditation in der Schule und ihre Wirkung auf die Persönlichkeitsentwicklung
● Vom Stress zur Gestaltungsfähigkeit – Erfahrungen mit Meditation in Beruf und Wirtschaft
● Burn-out und Depression – Neue Perspektiven für Medizin und Therapie
(Foto: ZDF/Klaus Weddig)
Mit:
Prof. Dr. Thomas Metzinger,
Prof. Dr. Tania Singer,
Prof. Dr. Michael von Brück,
Ulrich Schnabel,
Dr. Edda Gottschaldt,
Paul J. Kohtes,
Moderation Dialog und Q&A mit den Referenten
Matthias Ruff, Bildender Künstler, Lehrer für Yoga und Meditation, Leitung des Integralen Forum Berlins